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Rezension:Luftig-leichter Brandteig: ganz einfach [Gebundene Ausgabe]

Windbeutel gab es stets zu meinen Geburtstagen während meiner Kindheit. Sie waren mit Erdbeeren und Sahne gefüllt. Ich fand diese Leckerei stets unwiderstehlich. Jahrzehnte später lernte ich in Frankreich "Profiteroles" kennen, gefüllt mit "Crème Chantilly" und übergossen mit heißer Zartbitter-Schokolade. Ein Traum. Eine Schande übrigens, was die Industrie aus diesem Top-Dessert gemacht hat, wenn man bedenkt, was diesbezüglich im Supermarkt angeboten wird.

Dieses Backbuch nun habe ich meiner Mutter geschenkt, die als Pensionären viel Zeit hat und gerne Rezepte austestet. Als Brandteig-Spezialistin ist sie begeistert von dem, was geboten wird, nicht nur im Bereich süßer Kreationen, sondern auch der pikanten. Gefunden habe ich in dem Rezeptbuch von Luise Lilienthal das ideale Snack-Rezept für einen Sektempfang, doch dazu später mehr.

 Ein Teig und 42 Köstlichkeiten wirbt der Verlag. Die Aussage ist keine Übertreibung. Neudeutsch formuliert handelt es sich um "Hammer-Rezepte" für Genussmenschen.

Zunächst wird in gut nachvollziehbaren Schritten die Teigzubereitung erläutert und auch wie man ihn in Form bringt, bäckt und schlussendlich füllt. Aufgelistet und erläutert wird das richtige Handwerkszeug, dann folgt der reich bebilderte Rezeptteil, der in drei Abschnitte untergliedert ist.

 Die eingangs erwähnten "Profiteroles" sind auch dabei. Stets werden die Zutaten genau genannt, auch die notwendigen Küchengeräte, Backzeiten und die Ofentemperatur bleiben nicht ausgespart, ebenfalls nicht die Anzahl der Gebäckteile. Die Rezepte werden schrittweise sehr gut erklärt und das Backergebnis auf einem Foto gezeigt. Zudem erhält man interessante Produktinformationen.

 Hier will ich jene zu der "Saint-Honoré-Torte" (sie ist sehr delikat, habe sie in Frankreich bereits gegessen) zitieren: "Die Torte ist nach dem Schutzheiligen der Bäcker, dem Heiligen Honorius von Amiens, der Bischof von Amiens war, benannt. Der Bischof starb im Jahre 600. Er selbst hatte nichts mit dem Backhandwerk zu tun, ein Bäcker überschrieb aber im 13. Jahrhundert Land an die Stadt Paris, damit eine Kapelle zu Ehren des Honorius gebaut werden konnte. Im Jahr 1400 gründeten die Bäcker in dieser Kapelle ihre Zunft." (Zitat.: S.23)

 Ich finde solche Geschichten überaus bereichernd und teile diese auch stets bei Tisch Gästen mit. Daraus ergeben sich oft interessante Gespräche.-- Sehr schön sind sie die Schwäne aus Brandteig, eine Spielerei, die eine Kaffeetafel betont edel gestaltet. Gefüllt sind sie mit einer Vanillencreme und eigentlich zu anmutig, um verspeist zu werden. Die "Windbeutel mit Mango-Zimt-Sahne" sind eher ein Dessert für die Winterzeit, während jene mit Kirschfüllung, demnächst darauf warten zubereitet zu werden.

 Wer kleine Kinder hat, sollte Brandteigmäuschen backen. Die schauen wirklich süß aus. Auch "Kaptain Blaubeer" eignet sich als Kinderleckerei, selbst wenn die Kinder schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben.

 Lädt man Gäste auf ein Glas Wein ein und sucht nach Rezepten für Snacks, stößt man hier im Buch auf wirkliche Köstlichkeiten. So etwa auf "Häppchen mit Roquefort und Birne", "Windbeutel mit Ziegenkäse", "Thunfisch im Brandteigmantel", "Gourmetwindbeutelchen mit Lachs" und vieles andere mehr. 16 Gourmetteilchen lassen sich aus besagtem Rezept verwirklichen, gefüllt mit Frischkäse, Dill und Räucherlachs passen sie bestens zum Sektempfang.

 Im dritten Abschnitt, das ist die Rubrik "Zarte Verführer" findet man auch sogenannte "Liebesknochen", in Frankreich nennt man diese Teile "Eclairs". Leider erfährt man nicht wie es zu dieser Wortschöpfung kam. Das stört aber nicht, wenn man sich auf die Milchkaffeecreme einlässt und das Gebäck ebenso andächtig genießt, wie ein weiteres, das sich "Brunnen der Liebe" nennt und mich spontan an ein Gemälde von Hieronymus Bosch denken lässt, das man im Prado besichtigen kann.

Brandteig kann man übrigens auch frittieren. Das ist notwendig, wenn man beispielsweise "Eberswälder Spritzkuchen" zubereiten möchte. Frittiert ist das Gebäck dann aber nicht mehr sinnlich oder gar erotisch, auch nicht wenn es als "Dauphin Kartoffeln" daher kommt. Sonderbarerweise assoziere ich diese spontan mit Ludwig XVI. von Frankreich. Seinem Großvater würde ich dann doch eher die Eclairs zuschreiben. 


Ein tolles Rezeptbuch, das ich gerne empfehle.

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