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Rezension: Brot aus aller Welt- Fulvio Marino- at Verlag


Fulvio Marino, der aus Italien stammende Kenner von Brot, ist Autor dieses sehr informativen Buches, in dem er das Brothandwerk aus fünf Kontinenten vorstellt.

Für den Autor ist Brot Brauchtum, ein alter Ritus, der die Menschheit seit über 20 000 Jahren begleitet. Dabei habe jede Kultur ihre eigenen Rezepte hervorgebracht, geprägt vom Klima, den erhältlichen Grundzutaten, aber auch vom Geschmack. Diese seien ein authentischer Ausdruck der Identität des Volkes. 

Fulvio Marinos umfangreiche, sehr lesenswerte Einleitung ist ein poetisches Hohes Lied auf unser tägliches Brot, das deutlich macht, wie tief sich der Autor mit dem Thema befasst hat. 

Im warenkundlichen Teil werden zunächst Getreide- und Mehlsorten weltweit vorgestellt. Dazu sollte man wissen, dass der Getreideanbau 61% der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche ausmacht.  Respekt gegenüber den Landwirten, gerade jetzt im Klimawandel! 

Alsdann lernt man Brotsorten aus aller Welt kennen. Diese sind den einzelnen Kontinenten zugeordnet und auf erhellendem Kartenmaterial konkret lokalisiert. 

Jede der 400 Brotsorten wird kurz beschrieben und anhand einer anschaulichen Illustration visualisiert. Alsdann werden sehr gut zur Sprache gebracht: Die weltweite Brotkultur, beginnend mit der französischen und hier mit deren Geschichte und Tradition. In Frankreich gibt es 300 offiziell anerkannte Brotsorten. Nicht wenige sind mit Ursprungssiegel geschützt. Wie man ein köstliches Baguette zubereitet, wird in diesem Zusammenhang - bestens nachvollziehbar- erläutert. Weitere Brotkulturen werden im Anschluss vorgestellt, stets mit Blick auf Geschichte und Tradition und typischem Rezept. 

So liest man beispielsweise, dass in Südamerika Brot ein Symbol der kulturellen Begegnung sei und die Geschichte der Kolonialisierung, des Widerstands der heimischen Kulturen als auch neuer Identitäten widerspiegele, die aus dieser Mischung entstanden seien. Solche Fakten sollte man wissen, um den Wert des Produktes auch wirklich zu schätzen.

Es folgen 70 Brot-Rezepte aus aller Welt, jeweils sehr gut und neugierig machend beschrieben. Stets wird das Rezeptergebnis appetitanregend visualisiert. Wenn man sich in die Rezepte vertieft, kann man die Mentalitäten erahnen, die sich im Laufe der Geschichte herausgebildet haben und in den Broten herauszuschmecken sind. Einige der Brotsorten liefern den Belag gleich mit, so etwa das "Smorrebrod" aus Dänemark oder das "Khachapuri" aus Georgien. Beides delikate Imbisse, die sich auch als Vorspeise eignen!

Alle Geschmacksnoten sind bei den vorgestellten Brotrezepten vertreten und lassen erkennen, dass Vielfalt der Schüssel ist, der uns aus der Eintönigkeit des Immer-Gleichen rettet. 

Helga König